Dieser Anfang ist Groß und Klein vertraut, er liegt uns im Ohr und setzt einen ganz besonderen Zauber in und frei. Woher kommt dieser, worin liegt seine Kraft?

Schon seit vielen Jahren sind die Pädagogen von dem Vorwurf abgerückt, Märchen seien Ausdruck eines veralteten, autoritären Erziehungsansatzes und obendrein viel zu grausam für Kinder. Es erweist sich immer wieder: Kinder wissen sehr wohl zwischen Märchen und Wirklichkeit zu unterscheiden; sie nehmen durch die Erzählung oder Lektüre keinerlei seelischen Schaden. Märchen können im Gegenteil Kinder dabei unterstützen, seelische Nöte zu verarbeiten, indem sie ihren psychische und moralische Orientierungshilfen für die komplexe Wirklichkeit bieten. 

Märchen benutzen eine Symbolsprache, die Kinder (und Erwachsene) unbewusst verstehen. Auf diese Weise vermitteln sie Einsichten in das Wesen des Menschen und den Aufbau der Welt, die nachhaltig wirken. Sie erzählen von Liebe, Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, aber auch von Gefahr und Gewalt. Der Held oder die Heldin muss Prüfungen bestehen, Abenteuer überleben. Oft sind sie zu Beginn des Märchens die scheinbar Dummen oder Schwachen, wachsen dann an ihren Aufgaben und Taten, um zu guter Letzt belohnt zu werden. Sie sind es, die am Ende klug und weise, liebenswert und zu großen Taten fähig sind. Weniges benötigt die kindliche Psyche so sehr wie Zuverscht und Selbstbewusstsein. Märchen fördern die Phantasie des Kindes, sie können sich ihre Märchenfiguren selbst ausmalen ohne Vorgaben von Außen. (Daher ist es sinnvoll auch auf Bilder möglichst zu verzichten.)

Märchen können – ein wenig – dazu beitragen, dass Kinder Ängste abbauen und die Zukunft hoffnungsvoller angehen.